
Grafik von shelff

Auf das Bild klicken um die Slideshow zu starten; Fotos mit freundlicher Genehmigung von H. Vontin
Der Fotograf Heinz Vontin (geb. 1923 in Berlin) hat mal wieder in seinem Archiv gekramt und uns diese wunderbaren Farbaufnahmen aus Berlin im März 1954 geschickt. Sie zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie die Stadt zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder immer mehr in Ost und West zerfiel.
In den letzten Wochen war es hier etwas ruhig, sorry! Wir waren jedoch nicht untätig, sondern haben viel gelesen, recherchiert, Archive durchwühlt, Straßen abgelaufen und in Kooperation mit Slow Travel Berlin einen hübschen, zweistündigen Stadtspaziergang durch Neukölln zusammengestellt. Die Führungen sind auf Englisch, können aber auf Anfrage gerne auch auf Deutsch angeboten werden. Die aktuellen Termine und weitere Infos findet ihr hier:
Rixdorf & Rollberge: A Neukölln tour
Neben einer Reihe weiterer, spannender Führungen durch verschiedene Stadtteile Berlins bietet Slow Travel Berlin auch interessante Fotoworkshops, Fahrrad– und Architekturführungen an, die wir euch sehr ans Herz legen können. Einen Überblick findet ihr hier.
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Um die Slideshow zu starten bitte auf das Bild klicken; Fotos mit freundlicher Genehmigung von Heinz Vontin;
Bei einer Recherche über das Neuköllner Rollbergviertel sind wir auf eine großartige Fotoserie des Fotografen Heinz Vontin (geb. 1923) gestoßen. Er hat sich sein Leben lang intensiv mit der Fotografie auseinandergesetzt und ist seit 1969 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie.
Heinz Vontin wuchs im Neuköllner Rollbergviertel zwischen Hermann-, Falk-, und Kienitzer Straße auf. 1960 kam er als Tourist nach Berlin zurück und fotografierte die Orte, die für ihn als Kind seine Heimat bedeuteten–beziehungsweise das, was davon nach dem Krieg übrig noch geblieben war. Nur wenige Jahre nach Vontins Besuch fiel das Quartier der Kahlschlagsanierung zum Opfer. Um so wertvoller sind aus heutiger Sicht seine Fotos und Erinnerungen:
„Ich bin 1923 im Rollbergviertel in der Steinmetzstraße 39 geboren worden. Seit 1952 heißt sie Kienitzer Straße. Mein Geburts-Hinterhaus ist auf den Fotos nicht abgebildet, weil es im April 1945 durch eine Sprengbombe total zerstört wurde. Mehrere meiner Fotos zeigen die Bombenlücke zwischen den unversehrt gebliebenen Nachbarhäusern zwischen Hermannstraße und Falkstraße. Nach Wehrdienst, Gefangenschaft und Studium verließen mein Bruder und ich 1952 Berlin. Bei meinem ersten Urlaub in Berlin 1960 fotografierte ich, nun als Tourist, das Rollbergviertel, um meinem Bruder zeigen zu können, was aus dem Rollberg geworden ist. Es waren zwar belanglose Fotos, doch mit für uns sehr wichtigen Bildinhalten. Da ist z.B. auf dem einen Foto eine Puppenklinik zu sehen, die sich direkt unserem Haus gegenüber befand. Zu diesem Geschäft gehörte auch das Fenster rechts daneben, das einen Sims hatte, der sich für Kinder als Sitzbank anbot. Auf diesem Sims, der uns Kindern zum ständigen Treffpunkt wurde, haben wir täglich mehrere Stunden zugebracht, viel mehr Stunden als in unserer Wohnung, die ziemlich dunkel und kalt war. Einen solchen Hintergrund kann der unvoreingenommene Betrachter natürlich nicht erkennen, weil mit der Fotografie nur gezeigt werden kann, was man von einem Motiv sieht. Man kann nicht abbilden, was man von einem Motiv weiß.“
Natürlich können wir solche Erinnerungen in den Fotografien von Heinz Vontin nicht sehen. Was wir jedoch erkennen können, ist etwas, was nicht als Faktum auf den Bildern abgebildet ist. Sie zeigen eine private Sicht auf einen bestimmten Ausschnitt einer Stadt zu einer bestimmten Zeit. Gerade dieser persönliche Zugang macht – wie bei den meisten guten Fotografien – diese Dokumentation des Rollbergviertels so reizvoll. Es ist die Beziehung des Fotografen zu dem Abgebildeten, was das Bild für den Betrachter interessant macht.
Wie aber wirken die Fotografien auf uns heute, also 53 Jahre später? Da das Rollbergviertel so wie es auf den Bildern zu sehen ist, nicht mehr existiert, schauen wir in eine Vergangenheit ohne konkreten Bezug zur Gegenwart. Wir erkennen zwar das "Es-ist-so-gewesen" als Signal aus fernen Zeiten, können jedoch nicht das Gewesene bezeugen. Wir haben es eben nicht erlebt. Daher erweckt das Betrachten der Aufnahmen in uns den Wunsch nach einer Zeitreise. Wir würden zu gerne um 1960 durch den Kiez spazieren und die Atmosphäre schnuppern, die damals in diesem Viertel herrschte. Unser Wissen darüber, dass die Bilder etwas zeigen, was unwiederbringlich verloren gegangen ist, verstärkt den Wunsch nur. In diesem Sinne können wir uns bezüglich dieser Fotografien nur Heinz Vontin anschliessen, wenn er uns schreibt: „In dem Bewahren sehe ich den eigentlichen Wert der Photographie“.
Permalink | Comments„Von einem realen Objekt, das einmal da war, sind Strahlen ausgegangen, die mich erreichen, der ich hier bin; die Dauer der Übertragung zählt wenig; die Photographie des verschwundenen Wesens berührt mich wie das Licht eines Sterns.“
– Roland Barthes, „Die helle Kammer“

Das Café Achteck am Fellbacher Platz in Berlin-Hermsdorf; Foto: Anna Sprang
Aufgrund ihres ihres achteckigen Grundrisses werden die historischen, gusseisernen Toilettenhäuschen im Berliner Volksmund Café Achteck genannt. Die sanitäre Infrastruktur war der rasanten Entwicklung Berlins im 19. Jahrhundert nicht gewachsen und führte zu einer Verschlechterung der hygienischen Bedingungen im öffentlichen Raum. Die Legende besagt, dass Kaiserin Victoria bei einer Fahrt durch Berlin einen Mann auf der Straße urinieren sah und daraufhin die Installation öffentlicher Toiletten anordnete.
Aufriss, Schnitt und Grundriss, aus Berlin und seine Bauten, 1896; Foto: Wikimedia Commons
Entworfen hat die grünen Häuschen der Berliner Stadtbaurat Carl Theodor Rospatt im Jahre 1878. Die Urinale bestehen aus sieben grün lackierten gusseisernen Wandsegmenten. Das achte Segment ist ausgespart und bildet den Eingang. Davor dient ein zumeist dreiflügeliger Paravent mit Laternen als Sichtschutz. Ursprünglich waren die "Cafés" nur für Männer vorgesehen. Sie boten in ihrem Inneren sieben Stehplätze. Im Jahre 1920 zählte man 142 solcher öffentlicher Pissoirs in Groß-Berlin. Heute sind davon nur noch um die 30 Stück übriggeblieben, allerdings nicht alle davon an ihrem ursprünglichen Standort und in teilweise baulich veränderter Form.
Dem Café Achteck ist nicht nur ein Wikipedia Eintrag gewidmet, sondern auch eine liebevolle Website mit Fotos und Beschreibungen aller übriggebliebener Exemplare. Es gibt, man glaubt es kaum, sogar eine geführte Tour de Toilette zu den noch vorhandenen Einrichtungen.
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Um die Slideshow zu starten bitte auf das Bild klicken; Fotos mit freundlicher Genehmigung von Stephan Gelbmann;
Der Fotograf Stephan Gelbmann, dessen wunderbare Fotoserie Berlin Underground 1977–1979 wir vor einiger Zeit veröffentlichen durften, hat uns einige schöne Aufnahmen der Brunnen– Ecke Bernauer Straße aus dem Jahre 1977 geschickt. Gelbmann wohnte damals nur einen Steinwurf von der Mauer entfernt in einem Studentenwohnheim am westlichen Ende der Brunnenstraße. Er erinnert sich an eine auto– und menschenleere Bernauer Straße und daran, wie die Anwohner diese für sich zu nutzen wussten:
Permalink | Comments"Die Bernauer Straße war 1977 eine absolut tote Straße. Es war nichts los. Absolut gut geeignet um dort am Auto rumzuschrauben, Reifen zu wechseln und, wie es damals noch des öfteren gemacht wurde, das Auto mit Eimer und Schwamm zu waschen. Mehrfach bin ich beim herumschrauben von einer Polizeistreife kontrolliert worden. Die Polizisten glaubten, in dieser gottverlassenen Gegend einen Autodieb auf frischer Tat erwischt zu haben. Die Bernauer war im Prinzip nur als Parkplatz zu benutzen. Ich habe damals im Studentenwohnheim in der Brunnenstraße 130 gewohnt. Rechts davon war eine Polizeistation und ein Hertie-Kaufhaus. Am Wochenende kamen dann die Touristenbusse mit den Schaulustigen, die kurz auf die Aussichtsplattform gingen und dann mit dem Bus die Bernauer runter in den Wedding fuhren."

Um die Slideshow zu starten bitte auf das Bild klicken; Fotos mit freundlicher Genehmigung von Pierre-Emmanuel Weck
Im Buchhändlerkeller am Savignyplatz ist vom 5. März bis 2. Mai 2013 eine Ausstellung mit den Berlin-Fotografien des französischen Fotografen Pierre-Emmanuel Weck zu sehen. 1989/1990 kam Weck nach Berlin um bei den französischen Streitkräften seinen Militärdienst zu leisten. Während seines Aufenthaltes lernte er Wolfgang Krolow kennen und entschied sich dazu, Fotograf zu werden. Einige der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten entstanden in dieser Zeit. Die Bilder der Ausstellung zeigen den unbestimmten Moment der Veränderung, einen Moment zwischen Nostalgie und Hoffnung.
Hier geht's zur Ausstellung.
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Um die Slideshow zu starten bitte auf das Bild klicken; Fotos: Lars Roth & Anna Sprang
Die Brache an der Chausseestraße Ecke Liesenstraße trennt Mitte und Wedding. Einst verlief hier die Mauer. Wir haben uns das Gelände nochmal angeschaut, bevor hier Townhouses für "Leute, die auf nichts verzichten wollen", entstehen.
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