Strollology Berlin

Burroughs was a strollologist
Gra­fik von shelff

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Heinz Vontin: Berlin im März 1954
Auf das Bild kli­cken um die Sli­de­show zu star­ten; Fotos mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von H. Von­tin
Der Foto­graf Heinz Von­tin (geb. 1923 in Ber­lin) hat mal wie­der in sei­nem Archiv gekramt und uns diese wun­der­ba­ren Farb­auf­nah­men aus Ber­lin im März 1954 geschickt. Sie zei­gen auf ein­drucks­volle Weise, wie die Stadt zwi­schen Wie­der­auf­bau und Wirt­schafts­wun­der immer mehr in Ost und West zerfiel.

Heinz Vontin: Berlin im März 1954Heinz Vontin: Berlin im März 1954Heinz Vontin: Berlin im März 1954Heinz Vontin: Berlin im März 1954Heinz Vontin: Berlin im März 1954
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Rixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch NeuköllnIn den letz­ten Wochen war es hier etwas ruhig, sorry! Wir waren jedoch nicht untä­tig, son­dern haben viel gele­sen, recher­chiert, Archive durch­wühlt, Stra­ßen abge­lau­fen und in Koope­ra­tion mit Slow Tra­vel Ber­lin einen hüb­schen, zwei­stün­di­gen Stadt­spa­zier­gang durch Neu­kölln zusam­men­ge­stellt. Die Füh­run­gen sind auf Eng­lisch, kön­nen aber auf Anfrage gerne auch auf Deutsch ange­bo­ten wer­den. Die aktu­el­len Ter­mine und wei­tere Infos fin­det ihr hier:

Rix­dorf & Roll­berge: A Neu­kölln tour

Neben einer Reihe wei­te­rer, span­nen­der Füh­run­gen durch ver­schie­dene Stadt­teile Ber­lins bie­tet Slow Tra­vel Ber­lin auch inter­es­sante Foto­work­shops, Fahr­rad– und Archi­tek­tur­füh­run­gen an, die wir euch sehr ans Herz legen kön­nen. Einen Über­blick fin­det ihr hier.

Rixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch NeuköllnRixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch NeuköllnRixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch NeuköllnRixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch NeuköllnRixdorf & Rollberge: Stadtspaziergang durch Neukölln
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Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960
Um die Sli­de­show zu star­ten bitte auf das Bild kli­cken; Fotos mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Heinz Vontin;

Bei einer Recher­che über das Neu­köll­ner Roll­berg­vier­tel sind wir auf eine groß­ar­tige Foto­se­rie des Foto­gra­fen Heinz Von­tin (geb. 1923) gesto­ßen. Er hat sich sein Leben lang inten­siv mit der Foto­gra­fie aus­ein­an­der­ge­setzt und ist seit 1969 Mit­glied der Deut­schen Gesell­schaft für Photographie.

Heinz Von­tin wuchs im Neu­köll­ner Roll­berg­vier­tel zwi­schen Hermann-, Falk-, und Kie­nit­zer Straße auf. 1960 kam er als Tou­rist nach Ber­lin zurück und foto­gra­fierte die Orte, die für ihn als Kind seine Hei­mat bedeuteten–beziehungsweise das, was davon nach dem Krieg übrig noch geblie­ben war. Nur wenige Jahre nach Von­tins Besuch fiel das Quar­tier der Kahl­schlag­sa­nie­rung zum Opfer. Um so wert­vol­ler sind aus heu­ti­ger Sicht seine Fotos und Erinnerungen:

„Ich bin 1923 im Roll­berg­vier­tel in der Stein­metz­straße 39 gebo­ren wor­den. Seit 1952 heißt sie Kie­nit­zer Straße. Mein Geburts-Hinterhaus ist auf den Fotos nicht abge­bil­det, weil es im April 1945 durch eine Spreng­bombe total zer­stört wurde. Meh­rere mei­ner Fotos zei­gen die Bom­ben­lü­cke zwi­schen den unver­sehrt geblie­be­nen Nach­bar­häu­sern zwi­schen Her­mann­straße und Falk­straße. Nach Wehr­dienst, Gefan­gen­schaft und Stu­dium ver­lie­ßen mein Bru­der und ich 1952 Ber­lin. Bei mei­nem ers­ten Urlaub in Ber­lin 1960 foto­gra­fierte ich, nun als Tou­rist, das Roll­berg­vier­tel, um mei­nem Bru­der zei­gen zu kön­nen, was aus dem Roll­berg gewor­den ist. Es waren zwar belang­lose Fotos, doch mit für uns sehr wich­ti­gen Bild­in­hal­ten. Da ist z.B. auf dem einen Foto eine Pup­pen­kli­nik zu sehen, die sich direkt unse­rem Haus gegen­über befand. Zu die­sem Geschäft gehörte auch das Fens­ter rechts dane­ben, das einen Sims hatte, der sich für Kin­der als Sitz­bank anbot. Auf die­sem Sims, der uns Kin­dern zum stän­di­gen Treff­punkt wurde, haben wir täg­lich meh­rere Stun­den zuge­bracht, viel mehr Stun­den als in unse­rer Woh­nung, die ziem­lich dun­kel und kalt war. Einen sol­chen Hin­ter­grund kann der unvor­ein­ge­nom­mene Betrach­ter natür­lich nicht erken­nen, weil mit der Foto­gra­fie nur gezeigt wer­den kann, was man von einem Motiv sieht. Man kann nicht abbil­den, was man von einem Motiv weiß.“

Natür­lich kön­nen wir sol­che Erin­ne­run­gen in den Foto­gra­fien von Heinz Von­tin nicht sehen. Was wir jedoch erken­nen kön­nen, ist etwas, was nicht als Fak­tum auf den Bil­dern abge­bil­det ist. Sie zei­gen eine pri­vate Sicht auf einen bestimm­ten Aus­schnitt einer Stadt zu einer bestimm­ten Zeit. Gerade die­ser per­sön­li­che Zugang macht – wie bei den meis­ten guten Foto­gra­fien – diese Doku­men­ta­tion des Roll­berg­vier­tels so reiz­voll. Es ist die Bezie­hung des Foto­gra­fen zu dem Abge­bil­de­ten, was das Bild für den Betrach­ter inter­es­sant macht.

Wie aber wir­ken die Foto­gra­fien auf uns heute, also 53 Jahre spä­ter? Da das Roll­berg­vier­tel so wie es auf den Bil­dern zu sehen ist, nicht mehr exis­tiert, schauen wir in eine Ver­gan­gen­heit ohne kon­kre­ten Bezug zur Gegen­wart. Wir erken­nen zwar das "Es-ist-so-gewesen" als Signal aus fer­nen Zei­ten, kön­nen jedoch nicht das Gewe­sene bezeu­gen. Wir haben es eben nicht erlebt. Daher erweckt das Betrach­ten der Auf­nah­men in uns den Wunsch nach einer Zeit­reise. Wir wür­den zu gerne um 1960 durch den Kiez spa­zie­ren und die Atmo­sphäre schnup­pern, die damals in die­sem Vier­tel herrschte. Unser Wis­sen dar­über, dass die Bil­der etwas zei­gen, was unwie­der­bring­lich ver­lo­ren gegan­gen ist, ver­stärkt den Wunsch nur. In die­sem Sinne kön­nen wir uns bezüg­lich die­ser Foto­gra­fien nur Heinz Von­tin anschlies­sen, wenn er uns schreibt: „In dem Bewah­ren sehe ich den eigent­li­chen Wert der Photographie“.

„Von einem rea­len Objekt, das ein­mal da war, sind Strah­len aus­ge­gan­gen, die mich errei­chen, der ich hier bin; die Dauer der Über­tra­gung zählt wenig; die Pho­to­gra­phie des ver­schwun­de­nen Wesens berührt mich wie das Licht eines Sterns.

– Roland Bart­hes, „Die helle Kammer“

Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960Heinz Vontin: Das Neuköllner Rollbergviertel anno 1960
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Café Achteck
Das Café Acht­eck am Fell­ba­cher Platz in Berlin-Hermsdorf; Foto: Anna Sprang

Auf­grund ihres ihres acht­ecki­gen Grund­ris­ses wer­den die his­to­ri­schen, guss­ei­ser­nen Toi­let­ten­häus­chen im Ber­li­ner Volks­mund Café Acht­eck genannt. Die sani­täre Infra­struk­tur war der rasan­ten Ent­wick­lung Ber­lins im 19. Jahr­hun­dert nicht gewach­sen und führte zu einer Ver­schlech­te­rung der hygie­ni­schen Bedin­gun­gen im öffent­li­chen Raum. Die Legende besagt, dass Kai­se­rin Vic­to­ria bei einer Fahrt durch Ber­lin einen Mann auf der Straße uri­nie­ren sah und dar­auf­hin die Instal­la­tion öffent­li­cher Toi­let­ten anordnete.

Café Achteck

Auf­riss, Schnitt und Grund­riss, aus Ber­lin und seine Bau­ten, 1896; Foto: Wiki­me­dia Commons

Ent­wor­fen hat die grü­nen Häus­chen der Ber­li­ner Stadt­bau­rat Carl Theo­dor Ros­patt im Jahre 1878. Die Uri­nale beste­hen aus sie­ben grün lackier­ten guss­ei­ser­nen Wand­seg­men­ten. Das achte Seg­ment ist aus­ge­spart und bil­det den Ein­gang. Davor dient ein zumeist drei­flü­ge­li­ger Para­vent mit Later­nen als Sicht­schutz. Ursprüng­lich waren die "Cafés" nur für Män­ner vor­ge­se­hen. Sie boten in ihrem Inne­ren sie­ben Steh­plätze. Im Jahre 1920 zählte man 142 sol­cher öffent­li­cher Pis­soirs in Groß-Berlin. Heute sind davon nur noch um die 30 Stück übrig­ge­blie­ben, aller­dings nicht alle davon an ihrem ursprüng­li­chen Stand­ort und in teil­weise bau­lich ver­än­der­ter Form.

Dem Café Acht­eck ist nicht nur ein Wiki­pe­dia Ein­trag gewid­met, son­dern auch eine lie­be­volle Web­site mit Fotos und Beschrei­bun­gen aller übrig­ge­blie­be­ner Exem­plare. Es gibt, man glaubt es kaum, sogar eine geführte Tour de Toi­lette zu den noch vor­han­de­nen Einrichtungen.

Café AchteckCafé AchteckCafé AchteckCafé AchteckCafé Achteck
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Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977
Um die Sli­de­show zu star­ten bitte auf das Bild kli­cken; Fotos mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Ste­phan Gelbmann;

Der Foto­graf Ste­phan Gelb­mann, des­sen wun­der­bare Foto­se­rie Ber­lin Under­ground 1977–1979 wir vor eini­ger Zeit ver­öf­fent­li­chen durf­ten, hat uns einige schöne Auf­nah­men der Brun­nen– Ecke Ber­nauer Straße aus dem Jahre 1977 geschickt. Gelb­mann wohnte damals nur einen Stein­wurf  von der Mauer ent­fernt in einem Stu­den­ten­wohn­heim am west­li­chen Ende der Brun­nen­straße. Er erin­nert sich an eine auto– und men­schen­leere Ber­nauer Straße und daran, wie die Anwoh­ner diese für sich zu nut­zen wussten:

"Die Ber­nauer Straße war 1977 eine abso­lut tote Straße. Es war nichts los. Abso­lut gut geeig­net um dort am Auto rum­zu­schrau­ben, Rei­fen zu wech­seln und, wie es damals noch des öfte­ren gemacht wurde, das Auto mit Eimer und Schwamm zu waschen. Mehr­fach bin ich beim her­um­schrau­ben von einer Poli­zei­streife kon­trol­liert wor­den. Die Poli­zis­ten glaub­ten, in die­ser gott­ver­las­se­nen Gegend einen Auto­dieb auf fri­scher Tat erwischt zu haben. Die Ber­nauer war im Prin­zip nur als Park­platz zu benut­zen. Ich habe damals im Stu­den­ten­wohn­heim in der Brun­nen­straße 130 gewohnt. Rechts davon war eine Poli­zei­sta­tion und ein Hertie-Kaufhaus. Am Wochen­ende kamen dann die Tou­ris­ten­busse mit den Schau­lus­ti­gen, die kurz auf die Aus­sichts­platt­form gin­gen und dann mit dem Bus die Ber­nauer run­ter in den Wed­ding fuhren."

Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977Stephan Gelbmann: Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße 1977
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Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck
Um die Sli­de­show zu star­ten bitte auf das Bild kli­cken; Fotos mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Pierre-Emmanuel Weck

Im Buch­händ­ler­kel­ler am Savi­gny­platz ist vom 5. März bis 2. Mai 2013 eine Aus­stel­lung mit den Berlin-Fotografien des fran­zö­si­schen Foto­gra­fen Pierre-Emmanuel Weck zu sehen. 1989/1990 kam Weck nach Ber­lin um bei den fran­zö­si­schen Streit­kräf­ten sei­nen Mili­tär­dienst zu leis­ten. Wäh­rend sei­nes Auf­ent­hal­tes lernte er Wolf­gang Kro­low ken­nen und ent­schied sich dazu, Foto­graf zu wer­den. Einige der in der Auss­tel­lung gezeig­ten Arbei­ten ents­tanden in die­ser Zeit. Die Bil­der der Auss­tel­lung zei­gen den unbes­timm­ten Moment der Verän­de­rung, einen Moment zwi­schen Nos­tal­gie und Hoffnung.

Hier geht's zur Ausstellung.

Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck Ber­lin 89 – 90: Foto­gra­fien von Pierre Emmanuel Weck
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The Garden Homes
Um die Sli­de­show zu star­ten bitte auf das Bild kli­cken; Fotos: Lars Roth & Anna Sprang

Die Bra­che an der Chaus­see­straße Ecke Lie­sen­straße trennt Mitte und Wed­ding. Einst ver­lief hier die Mauer. Wir haben uns das Gelände noch­mal ange­schaut, bevor hier Town­hou­ses für "Leute, die auf nichts ver­zich­ten wol­len", entstehen.

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