Vor dem Rosenthalerthore (1842)


“Vor dem Rosenthalerthore [heute Rosenthaler Platz] ist der zuerst bebaut gewesene Punkt, der rechts vom Thore aus belegene sogenannte Wollanksche Weinberg [heute Volkspark am Weinbergsweg], den im 17. Jahrhundert der Graf Sparr besaß, welcher auf dem höchsten Punkte ein Belvedere erbaut und neben dem Weinberge eine Meierei eingerichtet hatte. Im vorigen Jahrhundert eröffnete in späterer Besitzer, Mollard, hier ein Kaffeehaus und machte dadurch diesen Weinberg zu einem der beliebtesten Vergnügungsorte Berlins. Im vergangenen Sommer fand man hier beim Fundamentgraben mehrere mit Knochen und Asche angefüllt gewesene Todtenurnen, die aus wendischer Zeit herrühren. – Ein anderer Punkt, welcher zu den ersten Bebauungen vor diesem Thore gerechnet werden muß, ist der etwa eine Stunde von der Stadt entfernte Gesundbrunnen, der im Jahre 1799 zu Ehren der hochseligen Königin den Namen Luisenbad erhielt, zu welchem man durch die Brunnen- und Badstraße gelangt. Der König Friedrich I. entdeckte im Jahre 1701 auf einer Jagdparthie eine Quelle, die sich hierauf als eine mineralische erwies und sogleich eingehegt und zu Brunnenkuren genannt ward. Friedrich II. ertheilte einem Dr. Böhm die Erlaubniß, sie allgemein nutzbar zu machen, und seit dem Jahre 1760 versammelten sich daselbst Kranke und Gesunde, um dort Heilung und Vergnügen zu finden. Auch jetzt ist sie noch ein Vergnügungsort der Berliner. Die eigentliche Bebauung vor dem Rosenthalerthore entstand aber erst seit dem Jahre 1752, als Friedrich II., für die aus Sachsen und dem Voigtlande hergekommenen Maurer und Zimmerleute, auf ehemaligem Heidelande Wohnungen mit Gärten einrichten ließ, welche man mit dem Namen “Voigtland” zu bezeichnen pflegt. In neuerer Zeit, seitdem vom Thore eine Chaussee angelegt, neue Häuser gebaut und die Straßen geebnet und gepflastert sind, hat diese Vorstadt an Reinlichkeit und Ansehen bedeutend gewonnen. Hinter dem zum Gesundbrunnen gehörigen Gasthofe liegt die schon vorher erwähnte Papiermühle und eine Viertelstunde weiter das Dorf Rosenthal.”
Aus: Ernst Fidicin, “Berlin, historisch und topographisch”, 1842
“Vor dem Rosenthalerthore [heute Rosenthaler Platz] ist der zuerst bebaut gewesene Punkt, der rechts vom Thore aus belegene sogenannte Wollanksche Weinberg [heute Volkspark am Weinbergsweg], den im 17. Jahrhundert der Graf Sparr besaß, welcher auf dem höchsten Punkte ein Belvedere erbaut und neben dem Weinberge eine Meierei eingerichtet hatte. Im vorigen Jahrhundert eröffnete in späterer Besitzer, Mollard, hier ein Kaffeehaus und machte dadurch diesen Weinberg zu einem der beliebtesten Vergnügungsorte Berlins. Im vergangenen Sommer fand man hier beim Fundamentgraben mehrere mit Knochen und Asche angefüllt gewesene Todtenurnen, die aus wendischer Zeit herrühren. – Ein anderer Punkt, welcher zu den ersten Bebauungen vor diesem Thore gerechnet werden muß, ist der etwa eine Stunde von der Stadt entfernte Gesundbrunnen, der im Jahre 1799 zu Ehren der hochseligen Königin den Namen Luisenbad erhielt, zu welchem man durch die Brunnen- und Badstraße gelangt. Der König Friedrich I. entdeckte im Jahre 1701 auf einer Jagdparthie eine Quelle, die sich hierauf als eine mineralische erwies und sogleich eingehegt und zu Brunnenkuren genannt ward. Friedrich II. ertheilte einem Dr. Böhm die Erlaubniß, sie allgemein nutzbar zu machen, und seit dem Jahre 1760 versammelten sich daselbst Kranke und Gesunde, um dort Heilung und Vergnügen zu finden. Auch jetzt ist sie noch ein Vergnügungsort der Berliner. Die eigentliche Bebauung vor dem Rosenthalerthore entstand aber erst seit dem Jahre 1752, als Friedrich II., für die aus Sachsen und dem Voigtlande hergekommenen Maurer und Zimmerleute, auf ehemaligem Heidelande Wohnungen mit Gärten einrichten ließ, welche man mit dem Namen “Voigtland” zu bezeichnen pflegt. In neuerer Zeit, seitdem vom Thore eine Chaussee angelegt, neue Häuser gebaut und die Straßen geebnet und gepflastert sind, hat diese Vorstadt an Reinlichkeit und Ansehen bedeutend gewonnen. Hinter dem zum Gesundbrunnen gehörigen Gasthofe liegt die schon vorher erwähnte Papiermühle und eine Viertelstunde weiter das Dorf Rosenthal.”
Aus: Ernst Fidicin, “Berlin, historisch und topographisch”, 1842
 

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